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Zen - Geburtstag
06.03.2010, 12:00:00
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Auch Zen-Runner haben Geburtstage, ob sie diese nun feiern möchten oder nicht. Irgendwie haben wir das so mitgenommen, vielleicht aus der Kindheit, als wir uns noch freuten, auf die Geschenke, die Torte, auf das wichtig-Sein. Je älter man aber wird, desto unbehaglicher fühlen sich viele von uns mit diesem Tag, macht er einen doch auf die Vergänglichkeit aufmerksam. An meinem Geburtstag habe ich einen Rückblick auf einen mittlerweile doch schon einigermaßen langen Teil des Lebens unternommen. Seltsam ist es, was mir da durch den Kopf gegangen ist. Ich musste an Schopenhauer denken, der mir immer wieder beim Nachdenken behilflich ist. Genau betrachtet, sind wir unser ganzes Leben lang in jedem Augenblick nur in der Gegenwart und nirgends anders. Was diese unterscheidet, ist lediglich, dass wir am Anfang des Lebens eine lange Zukunft vor uns, gegen Ende aber eine lange Vergangenheit hinter uns haben. Unser Temperament macht jedesmal Veränderungen durch, warum auch immer eine andere Färbung der erlebten Gegenwart entsteht. In der Kindheit beruht die Glückseligkeit darauf, dass wir uns viel mehr erkennend als wollend verhalten. Wir haben in der Kindheit nur wenige wichtige Beziehungen und eher geringe Bedürfnisse. Gerade aber die menschlichen Beziehungen sind es, die uns oft die größten Schwierigkeiten und Schmerzen einbringen. Das Glück der Kindheit liegt im Grunde darin, dass wir alle Dinge und Personen unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit sehen. Deshalb erleben wir die Kindheit im Rückblick als eine Art paradiesischen Zustand. Der Jugendliche meint dann noch, alles liege vor ihm und das Glück werde schon noch kommen. Demnach liegt die Welt vor ihm, wie Elysische Gefilde. Daraus entsteht später aber der Durst nach dem wirklichen Leben, der Drang nach Taten und Leiden, welcher uns in ständiges Tun treibt. In diesem aber lernen wir die andere Seite der Dinge kennen, die des Seins, des Wollens, welches allerdings bei jedem Schritt von Irgendjemandem verhindert wird. Dann aber setzt allmählich die große Enttäuschung ein und es heißt: „Das Alter der Illusionen ist vorüber“. Was also das jugendliche Alter antreibt und teilweise auch unglücklich macht, ist das Jagen nach Glück, in der festen Überzeugung, es müsse im Leben anzutreffen sein. Daraus erfolgt die fortwährende getäuschte Hoffnung und aus dieser die Unzufriedenheit. Daher sind wir in unseren Jünglingsjahren mit unserer Lage, welche sie auch sei meistens unzufrieden, weil wir ihr zuschreiben, was der Leerheit und Armseligkeit des menschlichen Lebens überall zukommt. Meine persönliche Reaktion auf diese Entwicklungen der Jugend war, dass ich einen ungestümen Drang zur Aktivität entwickelte, der sich vorwiegend in sportlicher Tätigkeit niedergeschlagen hat. Im Rückblick betrachtet, war dies jedoch der für mich passende Schritt, der mein ganzes weiteres Leben geprägt hat. Ist also der Charakter der ersten Lebenshälfte, häufig unzufriedene Sehnsucht nach Glück, geht es in der zweiten mehr um die Besorgtheit vor Unglück. Denn mit ihr tritt in der Regel die Erkenntnis ein, dass alles Glück chimärisch, andererseits das Leiden real sei. Jetzt wird daher, wenigstens von den einsichtigeren Charakteren, mehr Schmerzlosigkeit und ein unangefochtener Zustand, anstatt Genuss angestrebt. Dies erkenne auch ich zunehmend, dennoch aber fällt es mir schwer, mich auch dementsprechend zu verhalten. Immer noch jage ich zeitweise einem nicht einmal klar definierten Glück nach, obwohl mir bewusst ist, dass mich das langfristig nicht zufrieden macht. Deshalb sind auch die Glückwünsche eines Geburtstages nicht mehr als Wünsche. Ob sie zur Realität werden, darüber denke ich schon lange nicht mehr nach. Ebenso wie derjenige, der wünscht, wahrscheinlich. Dr. Günter Heidinger Link: www.zen-running.com |