MaxFun Sports Laufsport Magazin

Formaufbau - der Mensch ist ein extrem komplexes Wesen!

11.05.2013, 12:00:00
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Warum läuft es in dieser Saison nicht so, wie man sich das vorstellt?

Und zwar jeder! Individueller geht´s eigentlich gar nicht mehr. Die moderne Trainingswissenschaft beschäftigt sich klarerweise mit Training, Regeneration, damit, was beim durchschnittlichen Sportler wann und wie wirkt, usw. Nichtsdestotrotz finden sich selbst Spitzensportler, die generell auf allerhöchstem Niveau unterwegs sind, immer wieder in Saisonen, in denen einfach nichts läuft. Sieht man sich z. B. im Profi-Radsport um, so sind es Seriensieger vom Vorjahr, die im Jahr darauf genau gar keinen Sieg herausfahren können. Der Schweizer Fabian Cancellara hatte 2011 eine Traumsaison, die Jahre davor waren ebenfalls geprägt von unglaublichen Erfolgen, satte 4 Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren standen zu Buche. Dann ein böser Sturz im 12er-Jahr, und aus der Traum. Gut, seine Leistungen konnten sich – für „Normalsterbliche unter den Radprofis“ – immer noch mehr als sehen lassen, aber für die Ansprüche des Schweizers war all das zu wenig. Umso bemerkenswerter sein heuriges Frühjahr, in dem er praktisch die gesamte restliche Weltelite in Grund und Boden fahren konnte. Vielen seiner Konkurrenten war es in den Jahren davor ähnlich ergangen, war oder ist einmal der Wurm drin, dann ist und bleibt er drin – zumindest eine Zeitlang.

Genau das Gleiche können Hobby- oder Leistungssportler auch erfahren. Da ist man über ein paar Jahre hinweg doch immer recht gut drauf, erreicht immer mal wieder persönliche Bestzeiten oder schrammt wenigstens nur knapp daran vorbei; ist dann vielleicht noch sauer, weil es doch nicht ganz so ausgegangen ist wie man dies eigentlich wollte, und dann kommt plötzlich eine Saison, in der man doch gleich um ein ganzes Eck von seinem normalen Niveau entfernt ist. Aber eigentlich so überhaupt nicht weiß, WARUM! Die Vorbereitung war – zumindest laut Trainingstagebüchern – ähnlich oder fast gleich verlaufen wie in den Jahren davor, und dennoch rennt man seinen Zeiten aus den Vorjahren gleich um 10, vielleicht 15 Sekunden hinterher. PRO KILOMETER ALLERDINGS….

Warum? Tja, wenn man diese Frage so einfach beantworten könnte, würde wohl kaum einer in ein solches Formloch fallen. Wem Ähnliches passiert ist wie dem Schweizer Ausnahme-Radprofi, wer also einen Unfall oder bösen Sturz erleiden musste in nicht allzu entfernter Vergangenheit, der darf sich nicht wundern, wenn der erneute Formaufbau durchaus noch wesentlich länger dauert als bei Fabian C. Denn man ist ja kein Profi, der ALLES seinem Training, seiner Regeneration und seinem Wiederaufbau unterordnen kann, sondern man steht ja meist voll im Berufsleben, hat Familie und sonst auch noch anderes im Kopf als Sport. Daher sollte man sich nach solchen Zwischenfällen eher zwei Saisonen Zeit geben, um wieder hineinzufinden und froh darüber sein, dass man sich ÜBERHAUPT bewegen kann – im Freien, in der Natur, in Form seiner Lieblingsfortbewegungsarten.

Wer vielleicht in der Vorbereitung etwas Anderes versucht hat als in den Jahren davor, könnte sein Training durchaus wieder umstellen – da es ja nicht wirklich zu greifen scheint. Dann kann es sein, dass man einen Virus, eine Entzündung oder Ähnliches übergangen oder schlicht und einfach nicht bemerkt hat; auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen eine Rolle. Wer beruflich oder privat unter Stress leidet (den er vielleicht in den Jahren davor nicht oder nicht in dem Ausmaß gehabt hat), muss mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls seine sportlichen Ambitionen ein wenig herunterfahren. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man seinen sportlichen Zenit bereits überschritten hat und einfach nicht mehr schneller - sondern langsamer - wird. Gerade dann gilt aber die Devise - immer locker bleiben!

Christian Kleber (MAS)

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