MaxFun Sports Laufsport Magazin

Über die Gesichtsmimik beim Sport

06.09.2010, 12:00:00
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© TiM Caspary/PIXELIO

Trainierende verzogen während des Trainings ihre Gesichter, stießen dazu menschenunähnliche Geräusche aus, waren aber sehr durchtrainiert. So wollte Mann auch werden, also verzog auch er sein Gesicht.

Mann begann vor einigen Jahren in einem Fitnesscenter, um seinen Körper zu stählen sozusagen. Andere Besucher verzogen während des Trainings andauernd ihre Gesichter, stießen dazu menschenunähnliche Geräusche aus, waren aber sehr durchtrainiert. So wollte Mann auch werden, also verzog auch er sein Gesicht.

Einer, der ihn dabei beobachtete, nahm ihn dann mal zum Laufen mit, und weil normales Laufen langweilig war, rannte man Intervalle. Der andere verzog dabei sein Gesicht, vor allem am Beginn der Pausen, der Sauerstoff wurde mit Gewalt durch Mund, Luftröhre und Lunge ins Blut und von dort mit scheinbar noch größerer Gewalt zu den Zellen manövriert. Auch Mann verzog sein Gesicht, aus Solidarität sozusagen.

Zu Hause war er nun nicht mehr der etwas dickliche, weißhäutige Behaarte, sondern der sportlich braungebrannte Mittdreißiger. Seine Frau wusste das zu schätzen, immerhin ging auch sie zweimal die Woche zu Mani-, Pedi- und sonstwas -küre, ins Solarium und zur kommunalen Botox- und Fettabsaugungsstelle. Von den Grimassen ihres Mannes bekam sie vorläufig so gut wie nichts mit.

Dann stellten sich die ersten Wettkämpfe ein. Vorstellung, Autosuggestion, davon erfuhr Mann recht bald, und so zog Mann sich immer öfters aufs Klo zurück, wo Wettkämpfe, Zieleinläufe, Siegesposen und dergleichen gedacht wurden, immer schön begleitet von dieser Fratze. Die bedeutete, dass man sich besonders anstrengte, und je stärker man sein Gesicht verzog, desto schneller lief man. In Gedanken. Bald schon begann man sein Gesicht auch beim Duschen zu verziehen, wenn man alleine duschte, versteht sich, beim Autofahren, wenn man sich sicher war, von niemandem gesehen zu werden, auch nicht durch irgendwelche Seiten- oder Rückspiegel, im Foyer beim Bankomaten, wenn sonst niemand Geld abhob; die Chance, dass sich wirklich jemand lückenlos die Bänder der Überwachungskameras ansah, war verschwindend gering, und wenn schon, man konnte Mann wohl doch nicht identifizieren, wozu auch.

Sogar wenn Mann seine Gemahlin liebte, verzog er sein Gesicht, selbstverständlich nur im Dunklen oder wenn diese ihr Gesicht ordentlich abgewandt hatte, jetzt konnte man schon von einem Tick sprechen, einem Tick, den Mann unter Kontrolle zu haben glaubte. Entstanden war er - richtig - durch das Ausüben von Sport; zuerst berechtigterweise beim Krafttraining, das kurzzeitig recht anstrengend ist und solche Fratzen am ehesten hervorrufen darf, später aber immer öfter und für die nun doch aufmerksam gewordene Außenwelt (vor allem für seine Frau) völlig grundlos.

Lance Armstrong hat einmal geschrieben, dass sein Pokerface ein verdammt hart geübtes Pokerface ist/war. Die härtesten Anstiege war er ohne mit einer Wimper zu zucken gefahren. Bei Miguel Indurain hatte man das Gefühl, dass er während der schwersten Stunden seines Lebens lachte, ebenso bei Haile Gebrselassie, der dieses Lachen zumindest oftmals vor dem Start zelebrierte. Zahlreichen SportlerInnen gelingt es beispielsweise während eines gesamten Ironmans zu lächeln - Natascha Badmann, die zweimalige Hawaii-Siegerin führte diesen Gesichtszug zur Spitze sozusagen.

Überraschenderweise sind von diesem Tick, der nicht den Aufstieg zu einem Phänomen schaffen sollte, hauptsächlich Männer betroffen. Mann sollte einmal in sich gehen bei seiner nächsten Autosuggestion! Und an all die Sport-Ikonen denken, die es mit viel lockereren Gesichtern und damit überhaupt viel lockerer zu weit größerem Ruhm gebracht haben.

 

Christian Kleber (MAS)

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